[-][•] [+] Schriftgröße  

Drucken

Entwicklung WK VI

Eingegrenzte Mitte

Der WK VI liegt im Stadtgefüge von Eisenhüttenstadt mehr oder weniger in der Mitte. Durch Kanal, Bahnanlagen und eine vierspurige Hauptverkehrsstraße (Straße der Republik) eingegrenzt ist das Gebiet jedoch verhältnismäßig isoliert.
Das Gebiet entstand ab Mitte der 1960er Jahre und ist geprägt durch Geschosswohnbauten, die in einem regelmäßigen Bebauungsmuster angeordnet sind. Die Gebäude, die sich vorrangig im Eigentum eines städtischen und eines genossenschaftlichen Wohnungsunternehmens befinden, sind umgeben von großzügigen Freiflächen – Hochhäuser und öffentliche Einrichtungen setzen vereinzelt Kontrapunkte.
Ursprünglich bot der WK VI über 12.000 Menschen Wohn- und Lebensraum. Ende der 1990er Jahre machte sich der allgemeine Bevölkerungsrückgang in der Gesamtstadt auch im „Sechsten“ bemerkbar. Die Bewohnerzahl sank zunächst auf 9.500 Bewohner – vornehmlich in öffentlichen Infrastruktureinrichtungen waren zunehmend Leerstände zu verzeichnen. Im Zusammenspiel mit der erwähnten isolierten Lage und der mangelhaften Ausstattung der zahlreichen Freiflächen setzte ein Abwärtstrend ein, dem die Stadt seit 2000 durch ein verstärktes Engagement entgegentritt.

Städtisches Engagement

Bei ihrem Engagement kam der Stadt die Aufnahme des Gebietes einschließlich des nördlich angrenzenden Gewerbeareals in das EU-gestützte Förderprogramm „Zukunft im Stadtteil“ (ZiS2000) zu Hilfe. Unter den Vorzeichen einer 80%-igen Förderung wurden von 2000 – 2006 verschiedene städtebaulich-räumliche, soziale und wirtschaftliche Projekte gefördert. Der anfängliche Anspruch, das benannte Gewerbeareal mit damals ca. 1.200 Arbeitsplätzen unter wirtschaftsfördernden Aspekten in die Gesamtentwicklung stärker zu integrieren, musste vernachlässigt werden. Entgegen der ursprünglichen Absicht, durch das Förderprogramm auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) zu unterstützen, wurde dieser Aspekt durch das Land Brandenburg als Fördermittelverwalter frühzeitig wieder verworfen.
So konzentrierte sich die Umsetzung von Einzelprojekten (siehe Plangrafik) auf das eigentliche Wohngebiet, den WK VI. Die Revitalisierung des Wohnkomplexzentrums sowie die Aufwertung wichtiger öffentlicher Freiflächen kristallisierten sich als Schlüsselprojekte heraus. Der Verlauf des Programms wurde durch ein eigens gegründetes, fachübergreifendes Projektteam unter der Leitung des Bereichs Stadtentwicklung/ Stadtumbau der Stadt Eisenhüttenstadt gesteuert. Unterstützt wurde das Projektteam durch die Arbeit eines Quartiersmanagers (complan GmbH, Potsdam) und des Stadtteilbüros „offis“ (ort für foren und informationen im sechsten), das den Bewohnern eine direkte Anlaufstelle vor Ort bot.
Parallel zum Programmgeschehen wurde durch die Stadt außerdem die Sporthalle am Gesamtschulstandort saniert und für Wettkampfzwecke um Zuschauersitzränge erweitert.

Im Trend einer sich abzeichnenden Stabilisierung der Situation des „Sechsten“ setzten die Wohnungsunternehmen die Modernisierung- und Instandsetzung ihrer Wohnbestände fort. Mit 70% sanierter Bestände wies das Gebiet zum Ende des Programms ZiS 2000 im Vergleich zu anderen Gebieten bzw. Wohnkomplexen die höchste Quote auf. Zusätzlich tätigte der Landkreis umfangreiche Investitionen zur Aufwertung (Gebäude- und Umfeldsanierung) des Schulkomplexes (Förderschule/ Oberstufenzentrum) am Kanal.
Als Wermutstropfen musste jedoch dem anhaltenden Bevölkerungsrückgang in der Gesamtstadt Rechnung getragen werden, so dass es bereits in der auslaufenden Phase des Förderprogramms ZiS2000 auch zu punktuellen Abrissen von Wohngebäuden kam.

Weitere Entwicklung

Die weitere Entwicklung des Gebietes ist in die Gesamtperspektive des Stadtumbaus von Eisenhüttenstadt einbezogen. Der im Integrierten Stadtentwicklungskonzept von Eisenhüttenstadt formulierte Gedanke einer vernetzten Stadtlandschaft berücksichtigt den WK VI als Stadtteil mit Versorgungsfunktion, die z. T. von gesamtstädtischer Bedeutung ist. Bei der Einwohnerentwicklung werden mittlerweile 7.000 Bewohner für 2015 prognostiziert.
Weitere punktuelle Abrisse von Wohngebäuden sollen durch aufwendige Investitionen in verbleibenden Beständen ausgeglichen werden. Es wird an dem Vorhaben festgehalten, die Brachflächen des einstigen Stadthafen für die Realisierung eigentumsbezogener Wohnformen in Ergänzung des vorherrschenden Mietangebotes zu nutzen. Die Erschließung des Gebiets bzw. die Erschließung von Teilflächen wurde bereits mittels Fördermitteln aus dem sogenannten Brachflächenprogramm des Landes realisiert.
Beim Wohnkomplexzentrum hat sich zwischenzeitlich herausgestellt, dass eine Ausrichtung auf Handelseinrichtungen zu einseitig ist. Inzwischen hat ein Eigentümerwechsel stattgefunden – leerstehende Ladeneinheiten werden zunehmend von Anbietern von Gesundheitsdienstleistungen nachgefragt.
Im Gewerbeareal selbst zeichnen sich zaghafte Tendenzen zur Ansiedlung von Unternehmen aus der Branche neuer bzw. erneuerbarer Energien ab. Unter diesen Vorzeichen wird gegenwärtig die Umnutzung des einstigen Fleischwarenkombinats zum Technologiepark vorbereitet. Im Verlauf des Programms ZiS 2000 haben die Stadtwerke bereits ihren Betriebsitz in das Gewerbeareal verlagert – außerdem siedelten sich eine Erdgas- und eine Biodieseltankstelle an.

Projekte

1 Fröbelringpassage (ZiS 2000/ Privatkapital)

Die Fröbelringpassage wurden 2002/ 2003 in einer Kooperation zwischen dem Eigentümer der Gebäude, der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG Immobilien GmbH) und der Stadt modernisiert und instandgesetzt. Dabei wurden für Teilprojekte städtebauliche Verträge zwischen den Beteiligten geschlossen.
Als wesentliche gebäudebezogene Neuerungen sind gegenüber dem Ausgangszustand die Einrichtung einer Querpassage, lichtdurchlässige Vordächer und in die Tiefe orientierte Ladeneinheiten zu nennen. Das Anheben des Höhenniveaus in der Passage lässt darüber hinaus ein barrierefreies Betreten der Läden zu. Zur Verbesserung des Mikroklimas wurde außerdem das großflächige Flachdach als begrüntes Dach ausgebildet.
Mit Hilfe von Fördermitteln wertete die Stadt angrenzende Freiflächen bzw. die eigentliche Passage auf. Es wurde eine zusätzliche Stellplatzanlage angelegt, die eine direkte Bedienung von der tangierenden Strasse der Republik ermöglicht.
Als „Ankermieter“ dient eine Discounterkette im Auftaktbereich der Passage. Bei der Anordnung der Ladeneinheit wurde den Vorstellungen der Discounterkette seitens des Eigentümers weitgehend entgegengekommen.
Nach wie vor stehen trotz intensiver Bemühungen Ladeneinheiten leer – es bestätigt sich zunehmend, dass die beabsichtigte Profilierung der Fröbelringpassage als Handelsstandort zu kurz greift.

Planung:           iwb - Ingenieurgesellschaft, Braunschweig


2 Neugestaltung des Passagenvorplatzes (ZiS2000 / Stadtumbau)

Die im nördlichen Vorfeld der Fröbelringpassage gelegenen Freiflächen wurden 2005 aufgewertet und als Platzsituation gestaltet. Dabei wird in erster Linie den räumlichen Veränderungen, die aus dem Umbau der Passage resultieren und veränderten Wegebeziehungen Rechnung getragen. Der Platz ist eine Abfolge streifenartiger Felder und gibt der Passage eine neue Entreesituation. Die Vorstellungen der Bewohner, die sich in Anlehnung an den Bestand einen weitgehenden Erhalt der vorhandenen Grünstrukturen ausgesprochen hatten, wurden dabei ebenfalls berücksichtigt. Der einstige Fußgängertunnel unter der Straße der Republik wurde geschlossen und durch eine ebenerdige Querungshilfe ersetzt.

Planung:           iwb – Ingenieurgesellschaft, Braunschweig (Vorentwurf in Zusammenarbeit mit der Stadt Eisenhüttenstadt, Bereich Stadtentwicklung/ Stadtumbau)

3 Weiterentwicklung der zentralen Grünverbindung (ZiS 2000)

Für die vorhandene Verbindung stand 2006 eine Instandsetzung und Aufwertung der begleitenden Wege- und Platzflächen im Vordergrund. Durch gezielte Eingriffe wurde außerdem die räumliche Gliederung verbessert, das Wegesystem erweitert, Spiel- und Sportflächen entsprechend unterschiedlicher Altersgruppen ausgestattet bzw. ergänzt sowie die vorhandene Brunnenanlage rekonstruiert. Gräserpflanzungen bieten einen effektvollen Akzent in der südlichen Verlängerung der Fröbelringpassage und setzen das bestehende Wandmosaik Erde-Weltall-Mensch stärker ins Blickfeld.

Planung:           beusch/ Garten + Landschaftsarchitektur, Frankfurt (Oder)


4 Gestaltung der Uferbereiche (ZiS 2000)

Der Uferstreifen des WK VI war lange Zeit nur teilweise als befestigter Fußweg ausgebaut. 2006 erfolgte die Erschließung des Uferstreifens mittels eines asphaltierten Weges, der ergänzt durch begleitende Freiflächen eine durchgehende Verbindung zwischen der Zwillingsschachtschleuse und dem Getreidespeicher ermöglicht. Der Weg bildet für Fußgänger und Radfahrer eine unmittelbare Verbindung mit dem Wegenetz des angrenzenden Naherholungsraums „Insel“. Querbezüge eröffnen eine bessere Orientierung des WK VI zum Wasser – der geschaffene Uferweg trägt in besonderem Maß zur gestiegenen Freizeitqualität des Gebietes bei.

Planung/ Bauleitung:      Seebauer, Wefers u. Partner/ Landschaftsarchitektur + Stadtplanung, Berlin mit Architekturbüro Beige, Eisenhüttenstadt


5 Haus der Vereine (Stadtumbau; Rückführung soziale Infrastruktur)

Das Gebäude der ehemaligen KiTa „Stadthafen" wird seit 2003 als Haus der Vereine in der Trägerschaft der Stadt Eisenhüttenstadt genutzt. Mit der Konzentration von vorrangig sozialen Vereinen und Verbänden in einem Gebäude hat der Wohnkomplex VI einen zusätzlichen Anlaufpunkt, der darüber hinaus gesamtstädtische Bedeutung hat, erhalten. Der Umbau erfolgte Schritt für Schritt unter Berücksichtigung individueller Bedarfe. Eine Hüllensanierung steht noch aus – diese soll aber mit Hilfe entsprechender Fördermittel (die Aufwendung der entsprechenden Eigenanteile ist noch durch den Landkreis zu genehmigen) in 2010 erfolgen. Ein besonderes Potenzial für die Nutzer und Besucher des Gebäudes bietet die weiträumige Freianlage, die in ihrer Ausdehnung südlich des Gebäudes über gartenähnliche Qualitäten verfügt.

Umbauplanung:             Stadt Eisenhüttenstadt, Bereich Bauen und Technik


6 KiTa „Pusteblume" (Soziale Stadt)

Neben der Fortführung des laufenden Kita-Betriebs soll in dem Gebäude eine Verstetigung eines seit 2006 landesweit initiierten Modellprojekts erfolgen. Ein sogenanntes Eltern-Kind-Zentrum bietet Eltern eine Anlaufstelle für ein niederschwelliges Beratungsangebot in Erziehungsfragen. Fördermittel aus dem Programm der „Sozialen Stadt“ und einem eigenen Landesprogramm zur Förderung von Eltern-Kind-Gruppen stehen hier gegenwärtig zur Verfügung. 2006 wurde mit dem bedarfsgerechten Innenausbau und der Fassadensanierung eines Gebäudeflügels begonnen und 2008 mit dem Abschnitt, der als Kita genutzt wird, fortgesetzt.

Umbauplanung:             Architekturbüro Beige



Fachbereich 5, Fachbereichsleiter Herr Gerlach


  zum Seitenanfang