Geschichte Wassertourismus


Eisenhüttenstadt liegt an der Oder und gleichzeitig am Oder-Spree-Kanal. Die Stadt kann mit dem Schiff aus den Richtungen  Berlin, Sczeczin, Gorzow oder Wroclaw angesteuert werden. Der Wasserstraßenknoten Eisenhüttenstadt besteht bereits seit der  Ära der Dampfschifffahrt im ausgehenden 19. Jahrhundert. Der seit dem 17. Jahrhundert existierende Friedrich-Wilhelm-Kanal von der Spree bei Neuhaus bis zur Oder bei Finkenheerd hatte sich auf dem viel befahrenen Groß-Schifffahrtsweg Berlin - Breslau zum Nadelöhr entwickelt. Im Jahre 1891 ließ der preußische Staat einen neuen, leistungsfähigeren Kanal mit der Einmündung in die Oder bei Fürstenberg (Oder) errichten. Bis zum Bau des Oder-Spree-Kanals besaß die Schifffahrt im damalige Ackerbürgerstädtchen Fürstenberg (Oder) noch keine nennenswerte Bedeutung. Mit der Einweihung des Kanals änderte sich dies jedoch schlagartig. Der Schiffsverkehr entwickelte sich explosionsartigund zahlreiche Häfen, Ankerschmieden, Seilereien, Werften und  Gastwirtschaften entstanden. Große Schifffahrtsunternehmen siedelten sich in Fürstenberg an oder verlegten ihren Hauptsitz hierher. Mit Dampfschleppzügen wurden unter anderem Heringe und skandinavisches Holz vom Seehafen Stettin oderaufwärts nach Breslau verschifft, auf dem Rückweg wurden hauptsächlich Papierballen, Ziegelsteine, schlesische Steinkohle und Mehl für die Bestimmungshäfen in Berlin oder Stettin geladen. Entlang des Oder-Spree-Kanals entstanden zahlreiche Holzablagen, an denen aus den umliegenden Wäldern Kiefernstämme als Bau- und Grubenholz nach Berlin und darüber hinaus in das Ruhrgebiet verladen wurden.

Immer mehr und immer größere Lastkähne befuhren die Schifffahrtsroute Berlin - Breslau und der Kanal mit seinen Schleusen musste nur wenige Jahre nach seiner Inbetriebnahme wiederholt ausgebaut und erweitert werden. Die mitten im heutigen Stadtgebiet Eisenhüttenstadts gelegene dreistufige Schleusentreppe von der Kanalstrecke hinab zur  Oder war den Anforderungen schon bald nicht mehr gewachsen. Mit einem Mammutprojekt ging im Jahre 1929 nach achtjähriger Bauzeit ein Umgehungskanal mit einer neuartigen Zwillingsschachtschleuse und einem neuen Stadthafen in Betrieb. In dem damals modernsten Schleusenbauwerk Europas konnten je zwei Breslauer Maßkähne von 67 Metern Länge die 14 Meter Höhenunterschied in einem Hub gleichzeitig zu Berg und zu Tal geschleust werden. Das gesamte Bauprojekt wurde bereits für damals auf der Elbe und dem Mittellandkanal verkehrende 1.000 t Schiffe mit neun Metern Breite und 2 Meter Tiefgang dimensioniert.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Oderstrom bei Fürstenberg zur Staatsgrenze, an welcher im Jahre 1950 das Eisenhüttenkombinat Ost mit der neuen Stadt gegründet wurde. Ab den 70er Jahren war Eisenhüttenstadt zweitgrößter Binnenhafen der DDR. An mehreren Umschlagorten im Stadtgebiet wurden hauptsächlich Kohle, Koks, Erz, Kalk, Schrott, Baustoffe und Bauelemente für den komplexen Wohnungsbau umgeschlagen.

Seit 1990 ist der Güterverkehr auf dem Schifffahrtsweg Berlin – Wroclaw sehr stark zurückgegangen. Die Oder ist heute ein sehr naturnaher und vergleichsweise wenig regulierter Strom mit einem europaweit einzigartigen Landschaftsbild. Die Stille und Weite der Oderlandschaft steht in einem reizvollen Kontrast zur jungen, dynamischen Stadt und dem Werk. Seit dem Beitritt der Republik Polen zum Schengener Abkommen im Jahre 2008 trennt der Fluss nicht mehr Polen und Deutschland. Damit eröffnen sich völlig neue, ungeahnte Möglichkeiten für die Freizeitschifffahrt am europäischen Fluss - am Wasserstraßenknoten Eisenhüttenstadt.

Knapp zwölf Kilometer des Oder-Spree-Kanals durchziehen die Stadt von den Pohlitzer Seen im Norden bis zu seiner Odereinmündung im Ortsteil Fürstenberg. Der Oderstrom selbst begleitet Eisenhüttenstadt auf etwa 12 Kilometern Länge.

Auf einer Stadtrundfahrt zu Wasser können Bootstouristen viele Zeugnisse der spannenden Schifffahrtsgeschichte Eisenhüttenstadts entdecken. Die weitere Entwicklung des Wassertourismus ist Herzenssache für Eisenhüttenstadt. Die Lage im europäischen Wasserstraßennetz, die einzigartige Stadtgeschichte, die Attraktivität von Stadt und Umgebung sowie die leistungsfähige Infrastruktur am Wasser sind dafür ideale Voraussetzungen. Ob Architektur- und Städtebaugeschichte, Naturerleben, Industriegeschichte oder Kunst und Kultur - für beinahe jeden Skipper gibt es etwas in der „Zwei-Wasser-Stadt“ zu entdecken.

 Die zahlreichen Wassersportvereine Eisenhüttenstadts blicken bereits auf eine lange Tradition zurück. Hervorzuheben sind das Kanucentrum 1957 Eisenhüttenstadt e.V., [0] der Ruderverein Fürstenberg/O. 1910 e.V. [1] und der Motoryachtclub Eisenhüttenstadt e.V. [2] Seit 1962 sind die Boote des Motoryachtclub als „maritimer Botschafter“ der Stadt auf den Wasserstraßen unterwegs. Das Vereinsdomizil im historischen Mielenzhafen ist in den zurückliegenden Jahren mit städtischer Unterstützung zum komfortablen Vereinshafen ausgebaut worden und steht heute auch dem Bootstouristen mit einer modernen Ausstattung im Zentrum der Stadt zur Verfügung.

Die jüngste Attraktion für den maritimen Besucher ist das neu gestaltete Bollwerk im Ortsteil Fürstenberg (Oder). Hier empfängt Eisenhüttenstadt den Skipper im Herzen seiner charmanten Altstadt.


Links:
[0] http://www.kanucentrum-ehs.de/
[1] http://www.rudern.de/Clubs.64+M52087573ab0.0.html?&details=11301
[2] http://www.myceh.de/